Kommt dir das bekannt vor? Du tust das eine und möchtest genau dann das andere (innerer Konflikt)? Du hast Gedanken, die du nicht haben möchtest?

Warum ist das so? Unsere Persönlichkeit ist nicht starr. Unsere Persönlichkeit hat viele Facetten. Schon Gothe hat gesagt: „Zwei Seelen, ach! in meiner Brust“!

Lass es mich dir erklären. Jeder von uns hat mehrere sogenannte Ego-States. Je nach Rolle, die wir in einer Situation einnehmen, sind wir unterschiedlich stark mit einem dieser States verbunden. Jede Situation triggert uns dabei in unterschiedlicher Art und Weise. Das hat zur Folge, dass unser Gehirn neuronale Netzwerke aktiviert, die sich in vergleichbaren Situationen bewährt haben.

Sie entstehen in der Interaktion mit unserer Umwelt. Insbesondere die Kindheit ist eine prägende Phase. Viele Anteile und Glaubenssätze übernehmen wir unbewusst aus unserer Kindheit. Es ist oft so, dass über Jahre Anteile schlummern, bis sie in entsprechenden Situationen plötzlich da sind und uns beeinflussen. Deine Anteile kommunizieren miteinander. Sie bilden dein inneres Team.

So kann es sein, dass du abends auf der Couch liegst und dein Anteil „Chilly“ ihren Willen bekommt, im Hintergrund aber „Hustle“ flüstert, du bist noch nicht fertig. Du hast noch nicht genug getan. Die Ursache für solche Anteile liegt nicht selten in der Kindheit. Wenn unter anderem der Papa oder der Opa sagt: „Du musst immer fleißig sein, sonst wird aus dir nichts.“

In jeder Rolle, die du spielst, steckt ein bestimmter Anteil von dir selbst drin. Das muss so sein, sonst ist es einfach keine Schauspielerei. Dann ist es Lügen.

Der innere Schweinehund und das innere Kind sagen „Hallo!“

Der innere Schweinehund oder das innere Kind sind zwei sehr bekannte Anteile, die aber bei jedem einen individuell ausgeprägten Charakter haben.

Wenn du jetzt einmal kurz in dich gehst und reflektierst, wirst du merken, dass dieses Prinzip fest in unserem Sprachgebrauch verankert ist. 

  • „Einerseits bin ich müde, anderseits möchte ich diesen Film noch zu Ende gucken“, 
  • „Ich bin so satt, aber etwas Nachtisch nehme ich noch“, 
  • „Ich habe ein klares Ziel, aber irgendwas hält mich zurück.“
  • „Eigentlich wollte ich …, aber … „
  • „Ich fühle mich hin- und hergerissen …“

Im Coaching achte ich besonders auf diese Formulierungen meiner Coachees. Sie geben Aufschluss darüber, wie wir die gefühlte Blockade überwinden können und welcher Anteil – manchmal sind es auch mehrere – gerade Einfluss ausübt. Wichtig ist, dass uns die Existenz unserer Anteile bewusst ist.

Man stellt schnell fest, dass jeder Anteil einen eigenen Charakter, eigene Motive und Absichten hat. Und wie in allen Teams gibt es Allianzen, Einzelgänger oder Streit.

Wenn du dir jetzt Sorgen machst, dass du einen Arzt aufsuchen musst, kann ich dich beruhigen. Diese Anteile sind völlig normal und nicht klinisch relevant.

Es stimmt aber, dass dieses Prinzip besonders stark bei der dissoziativen Persönlichkeitsstörung (früher multiple Persönlichkeitsstörung) zum Vorschein kommt. Hier sind die Wechsel der Persönlichkeiten viel drastischer und die Persönlichkeiten übernehmen die Oberhand über Denken, Fühlen und die Physiologie.

Ich möchte dir noch etwas verraten: Das innere Kind hat, während es über die Jahre geschlummert hat, gar nicht unbedingt mitbekommen, dass du älter geworden bist. Ähnlich wie ein Navigationsgerät, das 20 oder 30 Jahre alt ist, wird es dich nicht ans Ziel bringen. Zu viele neue Fähigkeiten und Straßen in deinem Gehirn sind in der Zeit entstanden. Ein Update hilft.

Noch mehr erfreuliches: Unsere Anteile haben positive Absichten, die sie teilweise auch stur durchsetzen wollen. Man kann mit Anteilen aber zuverlässig arbeiten. Das zeigt meine Erfahrung aus diversen Coachings und spiegelt sich auch in den Testimonials wider.

Welche Absichten haben deine Anteile? Wie auch unser bewusstes Handeln verfolgen unsere Anteile folgende Motive:

  • Durchsetzung und Einfluss
  • Ordnung und Stabilität
  • Harmonie und Geborgenheit
  • Inspiration und Leichtigkeit

Was ist wichtig für dich?

Es hilft, wenn du lernst in bestimmten Situationen engeren Kontakt zu passenden Anteilen herzustellen. Das bringt dir neue Ressourcen, die dir helfen werden, gefühlte Barrieren abzureißen und deinem Ziel in sieben Meilen Stiefeln näherzukommen. Die Kür ist es alle Motive miteinander in Balance zu halten und herauszufinden wo deine Kernkompetenz oder besser dein Kernmotiv liegt.

Zurück zur Eingangsfrage: Ja, es ist dein Leben. Ja, es sind deine Entscheidungen. 

Mach dich frei von alten Ketten, die dich darin hindern, zu sein, wer du wirklich bist.

Ein paar Affirmationen. Nutze sie, wenn du magst. Passen sie an, bis sie sich für dich gut anfühlen.

Es ist okay ich selbst zu sein.

Es ist okay nein zu sagen.

Ich bin niemandem etwas schuldig.