Hast Du Dir die Frage auch schon gestellt?

Persönlichkeit ist also das, was uns langfristig und überdauernd ausmacht. Kann man das eigentlich ändern? Sollte man das durch Coaching ändern?!

Aber sicher, warum denn nicht?! In einem anderen Beitrag habe ich beschrieben, wie wir durch unser Umfeld beeinflusst werden – das kann vorteilhaft sein, aber auch suboptimal.

Persönlichkeitsentwicklung ist ein vielschichtiges Thema – und eine Facette meiner Persönlichkeit ist die Spontanität. Spontan habe ich beschlossen, aus diesem Thema einen Mehrteiler zu machen.

 

Fangen wir also damit an, zu klären, wie sich Persönlichkeiten darstellen (können).

 

Gibt es eine „normale Persönlichkeit“? Bei dem Ausdruck bekomme ich eine kleine Gänsehaut – normal? Individuell!

 

Die normale Persönlichkeit gibt es nicht – lediglich Eigenschaften, die nah an den regional erwarteten  Verhaltensweisen (soziokulturellen Normen) liegen.

 

Also jene Person, die weder extrem über- noch auffällig stark untertreibt. Jeder hat einmal Angst, regt sich auf oder ist generell gut selbstreflektiert. Die Person ist umgänglich und normal empathisch und interessiert bzw. offen für neue Erfahrungen.

 

Erst wenn die Ausprägungen in verschiedenen Situationen unangemessen und unbegründet, beziehungsweise deutlich abnormal sind, wird es ggf. relevant für den klinischen Bereich. Es muss ein sogenannter Leidensdruck vorliegen.

 

Wichtig: unangemessen und unbegründet ist hier keine subjektive Bewertung, sondern ein soziokultureller Maßstab, der zugrunde gelegt wird.

 

Hier endet die Persönlichkeitsentwicklung und beginnt die Therapie.

On the journey to myself I've been so many people...

Indigo Williams

Nun gibt es aber Typen, die einschlägige Tendenzen zeigen.

 

Diese Typen können sein:

  • Der leicht ängstliche Typ oder der stark ängstliche Typ
  • Der zuversichtliche (leicht extravertierte) Typ oder der stark extravertierte Typ.

Du merkst schon, das Thema ist etwas sperrig. Lass es mich etwas herunterbrechen.

 

Wir sprechen also vom eher unsicher-vorsichtigen und pessimistischen Typ bis zum zu Depression neigenden oder gar depressiven Typ. Im schlimmsten Fall leidet dieser Typ an Phobien und anderen starken Defiziten in der Alltagsbewältigung. Ursache ist hier (leider nicht selten) eine frühkindliche Traumatisierung, welche sich nach innen gerichtet darstellt.

 

Auf der anderen Seite der Waage habe wir die extravertierte Persönlichkeit. Ein offener Typ, der neugierig und optimistisch bis mutig in verschiedenen Situationen agiert.

Die Steigerung? Der stark extravertierte Typ.

Der klassische Draufgänger. Empathie-Defizite werden häufig von hoher Risikofreudigkeit begleitet. Das kann sich unter anderem in Substanz-Konsum und promiskuitivem Verhalten äußern. Ursache kann auch hier eine Traumatisierung in der Kindheit sein, jedoch richtet diese sich hier nach außen. Anders als beim stark ängstlichen Typ.

Wer sich in dieser Thematik etwas weiter belesen möchte, dem/der sei an dieser Stelle der Begriff des Sensation Seeking ans Herz gelegt.

Wichtig ist, es gibt hier kein Schwarz oder Weiß – jede Ausprägung kann auf einer stufenlosen Skala an jedem Wert auftreten. Und sowohl hohe als auch negative Werte haben Vor- und auch Nachteile.

Big Five der Persönlichkeits-Psychologie: Ein kurzer Ausflug.

Ja, Extraversion ist eine Skala von insgesamt fünf, in dem Modell der Big Five. Die anderen vier sind: Neurotizismus, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Im Englischen:

Openess
Conscientiousness
Extraversion
Agreeableness
Neuroticism

Es gibt bereits ein Modell, das um eine sechste Skala erweitert worden ist und in meinen Augen eine bessere Beschreibung von Persönlichkeit zulässt, aber ebenso Probleme mit sich bringt.

Das HEXACO-Modell

Honesty-Humility
Emotionality
Extraversion
Agreeableness
Conscientiousness
Openness to Experience

Grundsätzlich deckt es sich in weiten Teilen mit den Big Five, wurde aber um die Skala Ehrlichkeit und Bescheidenheit erweitert.

 

Das Problem mit solchen Modellen?

Die Skalen sind nicht trennscharf. Das bedeutet, dass die Skalen mitunter dasselbe messen.

Personen mit einer hohen Ausprägung auf der Neurotizismus-Skala weisen, ebenso wie ausgeprägt gewissenhafte Menschen, durchaus pingelige Züge auf.

 

Ein weiteres Beispiel ist, dass Offenheit ebenso Extraversion gleichermaßen Aussagen über Geselligkeit und die Bereitschaft Neues zu erleben treffen können.

Das Thema jetzt weiter auszuführen, sprengt den Rahmen. Dazu wird es einen separaten Beitrag geben.

 

Mitunter arbeite ich tatsächlich mit dem Big-Five-Modell, wenngleich mit Vorbehalt.

Das ist wichtig für Dich:

Persönlichkeit ist nicht Schwarz oder Weiß. Es gibt unglaublich viele – wenn nicht unendlich viele Möglichkeiten & Facetten. Es gibt Modelle, die Persönlichkeiten beschreiben. Darüber, wie exakt sie das leisten können, streiten sich die Forschenden. Das Big-Five Modell ist aber derzeit ein gemeinsamer Nenner und Ausgangspunkt für weitere Forschung. Persönlichkeit zeigt sich darüber hinaus Kontext- und Situationsabhängig. Aber auch dazu an anderer Stelle mehr.